Grundkurs Eis

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Sa, 11.07. – Do 16.07.2009

Also da standen wir nun. Sabine, Sandra, Juliane und ich. Es war Samstag. Das vollgepackte Auto mit den Rucksäcken und Eispickeln musternd. Erwartungsfrohblickend auf das,was die kommende Woche im GK Eis füruns bereit halten würde. Jawohl, eine ganz Woche inAusbildung! Wir wollten’s jetzt wissen. Hinauf ins Eis. DieSpaltenbergung vor Augen.....Aber wir würden ja bestensbetreut werden.Unsere Gruppe dazu von überschaubarerGröße. Hans-Werner und Wendelin waren schon vorgereistund erwarteten uns am Abend auf der KürsingerHütte (2558m) bei Neukirchen am Groß-venediger.Endlich ging es los!

Gut gelaunt kamen wir in Neukirchen an. Während derFahrt wurden vorher noch fleißig Knoten geübt und dieletzten Unsicherheiten vertrieben. Das bestellteSammeltaxi fuhr uns durchs Obersulzbachtal zurMaterialseilbahn oberhalb der Postalm, von wo wir überden Klammlweg in ca. 2 h die Kürsinger Hütte erreichten.Vom Großen Geiger, der vielbeschrieben unserenAufstieg hätte begleiten sollten, sahen wir nichts. DerHimmel war grau und die letzten Meter unseres Aufstiegsackerten wir uns durch Schneeflocken und Nebel hinauf.Ist dann ja schon nett, solch eine komfortable Hütte vorzufinden.Bestens ausgestattet, u.a. mit 3-Bett-Zimmern,warmen Duschen, diversen Stuben und laaaangerSpeisekarte (die Preise waren dementsprechend gehoben).

So, 12.07.
Der Sonntagmorgen gab endlich den Blick frei.Ausgeschlafen! Stahlblauer Himmel! Vor uns das Panorama u.a. von Großvenediger (3674m), Großer Geiger (3360m) und Schlieferspitze (3290m). Diverse Gletscherströme wanden sich die Flanken hinab. Tief unter uns ein Gletschersee (...der den Klimawandel leiderauch hier offenbart. Aus Kosten- und praktischenGründen hatten wir uns für das Auto entschieden. Nunhinterließ die Sache aber einen Beigeschmack). Zum Einstieg stand heute Knotenkunde auf demProgramm. Wie war das noch mit dem Schleifknoten?Später gab Hans-Werner sein profundes Wissen zurKompassnavigation zum Besten, es folgten praktische Übungen wie „rückwärts, vorwärts und seitwärtsEinschneiden“.Aufgekratzt vertrieben wir uns die Zeit amAbend mit Brettspielen und vielen persönlichen Anekdoten.

Mo, 13.07.
Früh am nächsten Tag standen wir einige Hundert Meteroberhalb der Hütte vor einer Schneewechte. Zuvor erhieltenwir bergauf gehend noch einige Tipps zum Thema„Führen von Gruppen“ und testeten die Haftreibungunseres Schuhwerkes.Wendelin kämpfte sich am Fuß der Wechte Stufen schlagend steil empor und baute eineSitzmöglichkeit. Nun konnte es also losgehen mit denSturzversuchen. Herrlich.An den Füßen festgehalten unddann losgelassen übten wir das Stabilisieren aus BauchundRückenlage, vorwärts sowie rückwärts. Welch einSpaß! Später folgte das Klettern an der Wechte mit zwei Pickeln, Top-Rope gesichert mittels T-Anker. Respekt vorder wahren Eiskletterei!

Di 14.07.
Am Dienstag war es dann so weit. Wendel und Hans-Werner hatten uns mental auf die Spaltenbergung vorbereitet.Mit etwas müden Knochen stiegen wir wieder zurWechte hinauf. Also nicht zu einer Gletscherspalte! Unddas war auch völlig in Ordnung so.... Die Spaltenbergungmit loser Rolle in 3er-Seilschaft konnte man hier, ohne sichden kompletten Mut abzuverlangen, gefahrlos, aber dochrealistisch trainieren. Los ging’s mit Fixpunktbau imSchnee (Eispickel als T-Anker vergraben), Formation derSeilschaft und dem Trainieren von Sturz und Bergung. R e i h h e r u m . Wir waren ganz schön aus der Puste.Anspruchsvoll aber klasse! Nachmittags vertieften wir das Erlebte nochmals theoretisch und folgten den Referaten zur Wetterkunde.Wie das wohl morgen würde? Heute war es schon merklich labil.

Mi 15.07.
Heiß erwartet standen wir Mittwochmorgen endlich nebeneiner Gletscherspalte! Auf Steigeisen, auf blankem Eis.Die Spalte links neben uns war bedeckt von einerSchneebrücke, welche auf halber Länge abriss und darunterden Blick in die Tiefe freigab. Vorsichtig lugten wir ineinen bodenlosen und schwarzen Abgrund. Die Eisfläche,auf der wir uns befanden, war wohl nicht mehr als 5 mbreit und 15 m lang. An ihrer Grenze rechts wieder eineSchneebrücke! Besser nicht zuviel nachdenken.... Und der Weg hierher sah doch recht einfach aus. Wie froh wirwaren, dass uns Hans-Werner und Wendelin sicher geführthatten. Auf den Steigeisen hüpften wir uns dann erst malwarm und vertrieben so manchen mulmigen Geist. Daswar der Beginn der „Bewegungstechniken“, gefolgt von„Einsatzmöglichkeiten des Pickels, Fixpunktbau und Sicherungstechniken im Eis“. Während wir gespanntübten, zog sich der Himmel schneller zu, als erwartet.Schnellen Schrittes und nicht ohne später noch nass zuwerden und Blitz und Donner zu erleben, kehrten wirnachmittags zur Hütte zurück. Dabei waren sich alleWetterfrösche der Gruppe recht sicher.... Welch ein Tag!Das Ausbildungsprogramm war nun komplett absolviert.Jetzt stand der Abschluss bevor: Eine von uns selbst festgelegte Eistour am nächsten Tag!

Do 16.07.
Nach dem gestrigen Gewitter war der Himmel wiederstahlblau. Gestern Abend hatten wir noch gemeinsamüber das Ziel, die Routenführung und die Verteilung derFührungsrollen der Tour diskutiert und entschieden. Zielwar die Bachmeierspitze. Den gewohnten Weg ging’s wiederhinauf aber dann querfeldein über ein langes und steilesFirnfeld hin zu einem Gletscherrücken. Abwechselndführte jeder von uns die Gruppe und wir spürten die Verantwortung, die das mit sich bringt. Karte undKompass kamen zum Einsatz. Die Beine des Ersten wurdenvom Stufenschlagen im Firn ganz müde. Aber welchein Ausblick. Berg heil! Doch dann leider.... Endlich aufdem Gletscher angekommen und der Bachmeisterspitzeschon sichtbar näher gerückt, kam von unseren Ausbildernein Hinweis zum Wettergeschehen. Nach vorn stapfend hatten wir die sich zusammenballenden Wolken hinter uns nicht so genau beobachtet. O.k., Pech gehabt, dann alsoSchnellabstieg. Das ging flott. Das Gewitter kam übrigensnicht. Dennoch war es eine gute Entscheidung eben nichtan die Grenze gegangen zu sein!Die Wetterprognose für den nächsten Tag sagte Regenvoraus. Wir beschlossen daher, noch am selben Tag dieHeimreise anzutreten.

Fazit:
Eine phantastische Woche, die uns den Weg zu weiterenaufregenden und beglückenden Touren in dieBergwelt geebnet hat. Wir möchten alle noch etwas Unerfahreneren unter uns ermuntern, diesen Kurs zubuchen. Unser Dank gilt Hans-Werner und Wendelin, die uns souverän und mit viel Spaß und Freude durch die Woche führten. Und Bernhard Schneider, für die Vorbereitung und Koordination.

Herzlich, Sabine, Sandra, Juliane und Harry